Cover zur aktuellen EP 'rarely'
rarely Cover
Hier ein Interview mit Michael Pohl (Wave in Head)

Eine Rezension und Soundsamples zu dieser EP gibt es auch hier im Klangwald! Auch bestellen kann man die EP im Klangwald. - Hier jetzt das Interview (geführt im Dezember 1999):

Klangwald: Hallo Michael! Vielen Dank erst einmal, daß Du Dir die Zeit für dieses kleine Interview nimmst.
Michael: Keine Ursache. Ich hab zu danken!


Klangwald: Wave in Head ist Dein eigenes musikalisches Projekt, bei dem Du alles selbst machst - also sowohl musikalisch, als auch textlich. Ist das so richtig?
Michael: Ja das ist richtig. Jeder Knopf der zu drehen war, wurde von mir gedreht, jedes Kabel habe ich selbst verlegt, den Text habe ich selbst verbrochen - Und für längere Zeit habe ich mein Material auch als einziger gehört. Du weißt schon: Röntgensyndrom - Vorhänge zu und gebrütet, bis man sich todsicher ist, daß durch das Ergebnis niemand ernsthaften (Hör-)Schaden nimmt(*lacht*).

Klangwald: In Deinem Anschreiben, das Du mir mit Deiner CD mitgeschickt hast, wirkst Du von Deiner Musik noch nicht so überzeugt. Konnten Dich die Rezensionen im Klangwald und bei e-lectric jetzt etwas von Deinen eigenen Fähigkeiten überzeugen (*lacht*)?
Michael: (*friemelt nervös an der Nasenspitze herum*) Naja, ich war mit den genannten Rezis schon sehr zufrieden. Allerdings bin ich mir schon sehr bewußt, daß Musik immer etwas sehr subjektiv empfundenes ist. Manchmal ist das so, daß ich dachte, ich hätte den Einfall des Jahrtausends, und wenn ich dann den Song meiner Haus- und Hofkritikerin vorspielte, war es plötzlich der Flop des Jahrtausends ( so wie "rarely isle" , der von bisherigen Rezensenten eher als der Höhepunkt dieser CDR betrachtet wurde und demnächst sogar auf einer Compilation dabei sein wird). Dann bin ich mir gar nicht mehr so sicher, was ich kann und was nicht. Gut, daß ich mich bei "rarely isle" doch für "Top" entschieden habe.Kurzum, ich bin immer im Zweifel und hoffe, daß das so bleibt. Das ist guter Treibstoff für Verbesserungen.

Klangwald: Sind die Reaktionen bisher alle so positiv ausgefallen?
Michael: Ja - bis jetzt... (*grinst*) Bisher hat sich nur einer der Rezensenten mehr Innovation gewünscht, mich aber gleichzeitig vor einigen professionellen Größen empfohlen, was mich auch sehr gefreut hat. Was die Innovaton anbetrifft, bin ich auch sehr dafür und hoffe, da in Zukunft noch einiges bieten zu können, was sicher schwierig ist, denn Innovation und Müll liegen sehr dicht beieinander.

Klangwald: Wie steht es mit einem Plattenvertrag? Hast Du Dich in dieser Hinsicht schon einmal umgehört oder darum bemüht?
Jörg/Floating P.: Hmmm... (*Gedankenpause*). Ja, habe ich. Zuletzt Ende 97. Und sicher werde ich es wieder mal bei den interessanten Firmen versuchen. Nur bisher bin ich eher negativ überrascht worden. Die A&Rs sind ja nette Leute. `Wäre nur noch netter, wenn sie mal wirklich reinhören würden. Naja, vielleicht war das Material von 97 nicht so der Bringer. Immerhin konnte ich zu dem Zeitpunkt nur auf MC aufnehmen und hatte auch sonst noch den einen oder anderen technischen Hänger. Wer kann da schon DEN Hit erkennen, bzw. wer hat dann noch Lust das Ganze neu produzieren zu lassen, wenn er nicht gerade für einen Major entscheidet. Und wenn sich dann mal einer für solche Sachen erwärmt hatte, dann sollte das dann doch noch`n bischen mehr nach Olli P. oder DJ Bobo klingen. "... Micha, mach`doch mal `n bischen mehr Rap mit `rein, dann kömmer das auch ma auf Viva probiern..." Da verliert man schon mal die eine oder andere Illusion.

Klangwald: Du hast geschrieben, daß Du im Laufe Deiner Schaffensphase an die 100 Stücke produziert hast. Warum dann jetzt erst einmal eine 5-Track EP? Wolltest Du erst einmal Reaktionen einfangen?
Michael: Ja das auch. Eigentlich waren es 2 Gründe. Erstmal habe ich im Juli 99 ein bischen aufgerüstet und dann war ich plötzlich in der Lage CDs zu brennen. Von da an, habe ich dann nicht mehr auf Cassetten, sondern in den PC überspielt. Im Sommerurlaub kam dann noch so`n bischen Material dazu, später dann auch noch`n bischen Überblick über das, was so im Internet angeboten wurde. Tja, und dann dachte ich: leg` los. Mit einer LP wäre ich jetzt noch nicht draußen, da ich ständig unter Zeitmangel leide, so wie Du, Nils, der Du ja auch am Sonntag für den Klangwald schuftest. Außerdem, hätte ich eine randvolle CD vorgelegt und dann erst festgestellt, daß sich mein Geschmack mit dem von niemandem so richtig deckt, wäre das ein echter Tiefschlag gewesen. Und so ein bischen Fetz an der Sache wollte ich mir dann doch bewahren.

Klangwald: Werden wir in naher Zukunft einen Longplayer von Dir erwarten können?
Michael: Wenn die nahe Zukuft Montag früh, um 8.45Uhr ist - nein.(*lacht*) Also mein persönliches Ziel ist es so ungefähr im September 2000 eine wenigstens 10 Titel umfassende Scheibe mit meinen persönlichen Highlights herauszubringen. Alles schön hochglanzpoliert, mit ein paar Überraschungen in stilistischer Hinsicht.

Klangwald: Wird man Dich auch mal live sehen können?
Michael: Ich fürchte nein. Vorerst jedenfalls. Ich traue mir die Organisation einer solchen Sache noch nicht zu. Da bräuchte ich schon noch ein paar Mitspieler und vor allen Dingen Zeit. Naja, letzten Endes ergeben sich solche Dinge schneller als man denkt.

Klangwald: Was ist das eigentlich für ein Tier, das man auf Deiner Homepage im Hintergrund und auf dem Cover findet? Erinnert mich irgendwie an die grüne Wasseragame, die mir mal eingegangen ist (*grinst*) - hast Du einen Bezug zu außergewöhnlichen Tieren oder wie kam es dazu?
Michael: Hier mußte ich wirklich mal laut lachen. Tschuldigung. Ja solche Wesen sind wie Priemeln. Das Tier auf dem Cover ist Splotschi, unser Jemencamäleon. Er ist 1 1/2 Jahre alt und sehr agressiv. Und trotzdem hat er was sehr anziehendes. Daß so ein Kleiner Kopf (Splotschi ist insgesamt 35cm lang) auch ein Gehirn beherbergt, bemerkt man spätestens dann, wenn man von Splotschi belauert wird. Er sieht Dir immer direkt in die Augen, auch wenn Du Sonnenbrille trägst. Ich hoffe, er macht`s noch ne Weile, kann ja bis zu 7 Jahren alt werden. Übrigens ist das ein Schwarz/Weiß-Bild, welches ich bearbeitet habe. Darum sieht er so eigenartig fremd aus. Da selten jemand weiß, was das ist, paßt es ganz gut zum Titel der CD - rarely=selten.

Klangwald: Hast Du im Laufe Deiner Schaffensphase eine eigene Wendung in Deinen musikalischen Ergebnissen bemerkt? Ich meine: Sind die meisten Deiner Stücke im glatten Synth-Pop-Stil oder hast Du auch progressive Stücke aufgenommen?
Michael: Du meinst, ob ich schonmal Volksmusik mit Hardcorepunk gemixt und dazu Geige gespielt habe? (*grinst*) Ja es gibt einiges, was sich absolut schräg und unrasiert anhört. So, maschinelle Balladen im 3/4 Takt, klassisch angehauchtes, deutsch gesungenes und minimalistisches oder andersartig kaputtes. Komischerweise komme ich irgendwann immer wieder auf die melodiöse glattgebügelte Variante zurück.

Klangwald: (*grinst*) Na, da würde ich mich ja gerne mal für eine Woche bei Dir einquartieren und mich DA durchhören! Ok, weiter: Du bietest auf Deiner Homepage auch Samples aus Deinen Stücken zum Download an und hast auch dem Klangwald erlaubt, zwei MP3-Samples zu veröffentlichen. Wie stehst Du zur Diskussion um Soundfiles im Internet?
Michael: Ich find`s gut, wenn man sich erstmal umhören kann, was die anderen so machen, bzw. wenn der geneigte Käufer die Katze aus dem Sack holen darf, bevor er sie mit nach hause nimmt. Schlecht und schädlich ist es erst, wenn der geneigte Schwarzbrenner eine audiotechnisch lupenreine Stereoversion jedes x-beliebigen Songs aus dem Netz saugen und für cash in die Täsch verhökern kann. das macht die Kunst als Beruf kaputt. Deshalb sollte immer ein Haken an der Sache sein. Ich meine, man sollte seine Files wenn geht in mono oder gekürzt oder ein bischen verschlechtert in`s Netz stellen, sonst fehlt die Motivation zum Kauf. Kopiert wird in freier Wildbahn dann immernoch genug.

Klangwald: Hast Du schon von der Initiative 'Copy Kills Music' gehört? Wie siehst Du diese Diskussion?
Michael: Tut mir leid, da bin ich wohl ein bischen hinter`m Mond. Was die Aussage an sich betrifft gehe ich da 100%ig mit. Wenn keiner mehr Musik kauft, bzw. wenn kein Künstler mehr verdient, dann gibt es auch keine Musik mehr, weil der Künstler dann lieber Versicherungen verkauft oder Schrauben dreht, oder einfach gar nichts mehr tut oder tun kann, weil Ihm niemand mehr professionell dabei hilft.

Klangwald: Was sind Deine musikalischen Wurzeln? Wie bist Du zu synthetischer Musik gekommen?
Michael: Als Kind habe ich fast nie Musik gehört. Ich fand`s einfach nervig und Quatsch. Bis es irgendwann die elektronische gab. Die hat mich auf eimal interessiert. Z.B. ,ja, ich weiß, worauf Du wartest, Depeche Mode (*lacht*), OMD, Eurithmics, Visage..., obwohl Boy George war auch nicht übel. Jedenfall hatten diese Syntheziser, die sich auf der Bühne türmten immer etwas magisches an sich. So, haufenweise Knöpfe zum Drehen und Lämpchen, die vor sich hin blinkten. Und natürlich diese erschlagende Klangvielfalt. Das war einfach toll. Dazu kam dann das Image der Bands der 80er Jahre. Und irgendwie war ich selbst schon immer musikalisch. Auch wenn ich kein Musiker bin und kein Instrument wirklich spielen kann... - entäuscht?- ... so hatte ich doch schon immer so meine Ideen und wußte welche Töne zusammenpassen. Ein bischen konnte ich auch mit meiner Stimme umgehen... Der ausschlaggebende Punkt war dann ein Schulfreund, der bei einer Tombola ein Keyboard gewonnen hatte. ich hab`s mir geliehen, dann gekauft, dann die Keys abonniert... und schon war alles zu spät. Das steigert sich dann irgendwie, wie die Rüstungsspirale. Außerdem findet man immer mehr heraus und will auf einmal alles mögliche haben und ausprobieren. Wenn dann irgendwer kommt und sagt:" hey, das klingt ja dolle interessant ey", dann will man sich`s irgendwie beweisen. Na gut, so ging`s mir jedenfalls.

Klangwald: Nein, ich bin kein bisschen enttäuscht und hatte auch nichts erwartet. War wirklich ein Frage von Interesse. Davon ab: Ich bewundere Leute, die es 'einfach so' machen. Ich habe leider nicht diese Fähigkeiten - wohl der Grund dafür, dass ich heute viel rezensiere und nichts selber mache. Wahrscheinlich ein unbewusster Ausgleich (*lacht*). Möchtest Du den Klangwald-Lesern noch etwas mitteilen?
Michael: Was hältst Du von "Frohe Weihnachten!" und "denkt dran, das Jahrtausend geht erst am 31.12.2000 wirklich zuende"? Na gut, wenn jemand was wissen möchte - ich hab`da so`ne Homepage und `ne E-Mail-Adresse... Schreibt mir einfach.

Klangwald: Vielen Dank für dieses Interview, Michael!
Michael: Vielen Dank für Deine Unterstützung, Nils!


Klangwald-Hauptseite: http://www.klangwald.de/

zuletzt erstellt am: 05.12.1999 - Nils Bettinger