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wo die nacht erzählt vom tag

Garish - wo die nacht erzählt vom tag
Erschienen: 04.11.2002
Label: Pate Records
Musikstil: Glamrock/Pop
Typ: CD


Rezension von Nils Bettinger

Ich mag deutschsprachige Texte aus deutschsprachigen Gefilden, wenn sie sich musikalisch im klangwald-abgestecktem Gebiet bewegen.

Aber deutsche Texte sind noch kein Garant für automatisches Wohlgefallen. Der Vertrieb hat in der Info zur CD lange und breit darauf herumgeritten, wie schwierig doch die Gratwanderung zwischen anspruchsvollen Texten in der Muttersprache ist und dazu einen Glamrocksound anzubieten und dabei keinen Pathos oder gar Schlagerfeeling aufkommen zu lassen. Ja, sie haben Recht. Aber das schaffen andere auch. Beispielsweise Linientreu, Blumfeld oder auch Melotron.

Und an Linientreu fühle ich mich musikalisch über weite Strecken auch erinnert. Stimmlich ebenfalls, aber hier stimmt auch der Vergleich zu Radiohead, falls euch die Vorstellung dann leichter fällt.

Garish verstehen ihr Handwerk - das will ich auch gar nicht in Frage stellen. Von sehr leichten poppigen Rhytmen geht es hin bis zum filigran arrangierten und schwer getragenem Orchestersound mit Tanzschultauglichkeit im Takt. So breit die musikalische Mischung aber auch ist, so schwer fällt es mir, der Stimme und den Arrangements über die gesamte Distanz zu folgen.

Ich mußte mich geradezu zwingen, das Album am Stück zu hören - und das ist schlecht. Es ist wie so oft bei ungewöhnlichen Stimmen: Entweder man mag sie oder sie gehen einem irgendwann auf den Geist.

Zur Quantität: Auf der CD befinden sich 13 Songs mit einer Gesamtspieldauer von knapp 55 Minuten. Also: ordentlich.

Die Texte liegen dem Booklet bei und sind über weite Strecken ganz nett - aber so leid es mir tut: Teilweise halte ich sie für aufgesetzt-pseudointellektuell.

Anspieltipps: "Ich werde belohnt", "silber" und "radiosong".

Möge sich jeder sein eigenes Bild machen. Ich halte die CD nur für ganz knapp über Mittelmaß.

klangwald wertung: 6 von 10 Punkten